Ada Dorian - Betrunkene Bäume

5. März 2017 |
Mein erste Gedanke damals, als ich über das neue Ullstein fünf-Programm berichtet habe, war, okay, hoffentlich ist Ada Dorian nicht Ronja von Rönne 2.0. Ihr wisst schon, wegen junger Autorin, Bachmannpreis und so. Ist zwar ein bisschen voreingenommen, aber ich finde, eine gewisse Voreingenommenheit ist bei so "gehypten" Büchern ja nie verkehrt. Glücklicherweise, mochte ich das Debüt von Ada Dorian. Jedenfalls mehr als das von Frau Rönne.

Allerdings, ich weiß nicht ob es an diesem Bachmannpreis liegt, (hab mich nur minimal mit dem auseinandergesetzt. Heißt, einmal als ich es zufällig im TV entdeckt habe, kurz hängen geblieben, gesehen, dass das alles maximal langweilig ist und wieder weggezappt. Apropos, der Biller ist ja jetzt raus bei der literarischen Quattro Formaggi, kann er nicht beim Bachmannpreis mitmachen? Wäre doch bestimmt ganz unterhaltsam? Ich schick denen mal eine Bewerbung für Sie Herr Biller), aber irgendwie, war mir auch das Debüt (ähnlich wie im Fall von Frau Rönne), zu dröge. Es war nicht schlecht. Die Geschichte um Erich, der sich immer mehr den Schwächen des Alters ausgesetzt sieht, und der jungen Katharina die von daheim stiften gegangen ist, hat mich schon begeistert.
Aber es gab halt auch so vermehrt Stellen, an denen ich mir einfach nur dachte, joa, und nu?

Ich meine Ada Dorian kann schreiben, hier und da war es vielleicht noch ein bisschen hölzern, aber sie kann es, und anders als bspw. die Kollegin Rönne, erzählt sie nicht nur, sie hat auch wirklich was zu sagen. Eine Eigenschaft, die mir in letzter Zeit sehr viel wichtiger geworden ist, als bloß eine gute Story haben, oder besonders toll formulieren können. Dinge über Schuld, die wir nicht so einfach abstreifen können, auch wenn wir uns noch so sehr winden. Über Sehnsucht, darüber, dass es uns oft schwer fällt, die Früchte unseres Potenzials zu ernten, obwohl sie reif und saftig direkt vor uns liegen, und wir im Grunde nur die Hände danach ausstrecken müssten.

Und obwohl mir all diese Dinge, und auch die Art und Weise, wie diese beiden Leben nach und nach aufgedröselt und dann neu miteinander verflochten wurden, sehr gefallen hat. Blieben mir da einfach zu viele Fragen (besonders was Erich angeht), ungeklärt oder nur unzureichend beantwortet. Die Nebenfiguren, empfand ich allesamt als belanglos, man erfährt nicht viel über sie, und das was man dann erfährt, muss man gar nicht wissen.

Okay, so zusammengefasst, klingt das jetzt natürlich sehr viel negativer als beabsichtigt. Deswegen möchte ich abschließend noch einmal betonen, dass mir das Debüt von Ada Dorian in seiner Gänze schon zugesagt hat, ich jedoch nicht umhinkam, hier und dort ein paar Abstriche zu machen. Aber, es ist ihr Debüt. Luft nach oben gibt es ja sowieso immer, und ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was Ada Dorian als nächstes veröffentlichen wird. Ihr Debüt lohnt sich, und deswegen werde ich sie auch weiterhin im Auge behalten.

Betrunkene Bäume
 Ullstein fünf • Gebunden,  268 Seiten  18€ •  ISBN: 978-3961010011  
Dieses Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar gestellt

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