Felix Lobrecht - Sonne und Beton

10. März 2017 |
Ich muss gestehen, bis vor ein paar Wochen wusste ich nicht wer Felix Lobrecht ist. Kein Plan warum, ist einfach so. Hab hier und da mal seinen Namen gehört und dass er was mit Comedy macht, aber mehr auch nicht.  Denke mal, dass es daran liegt, dass ich um die meisten deutschen Stand-Up-Leute einen großen Bogen mache. Die sind mir halt zum Großteil einfach zu unlustig. So, Honks wie Luke Mockrigde und Chris Tall und so. Humor muss ja nicht zwangsläufig was für's Brain sein, aber Lustigkeit ist halt essentiell. Isser bei denen nur halt einfach nicht. Und ich dachte halt, der Felix gehört auch zu dieser Gang irgendwie. Keine Ahnung ob es so ist, aber ist ja auch erstmal Latex. 
Jedenfalls, habe ich dann das Programm von Ullstein fünf entdeckt, und mir gedacht, okay geil, das Buch vom Lobrecht klingt richtig gut. Musst du unbedingt lesen. Gesagt, getan und jetzt schreibe ich mal was dazu. Muss ich einfach.

Auf Instagram hatte ich 'nen Kommentar von Felix, meinte dass das Buch nicht lustig sei (was ich vermutete hatte), und jetzt wo ich damit durch bin, muss ich sagen, ein Glück dass es das nicht ist! Ein Glück, dass das Buch so ist wie es ist. Die Geschichte ist auch schnell erzählt, vier Jungs aus der Gropiusstadt in Berlin-Neukölln, also dem Ort, wo die Träume und das Potential junger Menschen sich treffen um zu verrecken. Einer von denen hat dann eine ziemlich halbhirnige Idee, und ab da steht den Jungs die Kacke halt bis zum Hals.
Was mich an dem Buch am meisten begeistert, ist halt einfach die Unverblümtheit. Sowohl in der Sprache, als auch in der Darstellung dessen, was es heißt in so einem "sozialen Brennpunkt" aufzuwachsen, wenn man zur "bildungsfernen Unterschicht" gehört. Hier in der Nähe wo ich aufgewachsen bin, gibt es auch so ein Viertel, Finkenberg oder Demo wie wir dazu sagen. Ich hab Freunde die da aufgewachsen sind. Die damals in der Schule genauso geredet habe, wie Lukas, Gino, Sanchez und Julius in dem Buch. Die sich auch immer aufgespielt haben, wie die größten Macker, nicht weil sie welche waren, im Gegenteil. Wenn man von unten kommt, muss man, auf die eine oder andere Weise, hart werden, um sich durch den ganzen Shit nach oben zu kämpfen. Besser hätte es Felix Lobrecht nicht auf's Papier bringen können.

Irgendwo, habe ich gelesen, dass die Sprache in dem Buch sehr hart wäre. Stimmt auch. Ich denke Leute, die es nicht gewohnt sind dass Menschen so reden, für die es ist definitiv ein verbaler Schlag ins Gesicht. Was aber tatsächlich hart an der Sprache in diesem Buch ist, sind nicht die Form an sich, oder die Ausdrucksweise sondern die Tatsache, dass es tatsächlich unzählige junge Menschen gibt, die in ihrem alltäglich Leben genauso reden. Ist jetzt auch eigentlich keine große Erkenntnis, oder so, weil das weiß man ja sowieso. Es aber so schwarz auf weiß nochmal auf dem Papier verdeutlicht zu sehen, war dann doch so ein Punkt, der mich beim Lesen kurz innehalten ließ. Ich muss halt auch einfach sagen, dass es ein Buch ist, von jemandem der weiß wie es wirklich ist. Jemandem, der selbst noch recht jung ist, und kein Enddreißiger, der denkt er wüsste, wie es ist. Obwohl er nie auch nur einen Fuß in so eine Wohnsiedlung gesetzt hat, und einfach mal aufschreibt, wie er glaubt, dass die jungen Leute da so reden. Nils Mohl zum Beispiel. An dessen "Es war einmal Indianerland" hat mich "Sonne und Beton" auch zuerst erinnert. Das Cover geht ja auch in eine ähnliche Richtung, die Geschichte ebenso. Aber "Sonne und Beton" ist genau das, was ich mir von "Es war einmal Indianerland" erhofft hatte. Ehrlich, auf den Punkt und ohne etwas zu beschönigen.

Etwas enttäuscht war ich aber davon, dass das Buch zu oberflächlich ist. Also, im Sinne davon, dass ich einfach das Gefühl hatte, hier wird nur an der Oberfläche gekratzt und eigentlich könnte man noch ein bissen tiefer gehen. Hier und da zwischen den Zeilen erfährt man zwar Dinge über die Charaktere, aber mir war das zu wenig. Ich finde, da könnte man noch sehr viel mehr rausholen. Die Figuren und auch das Setting bieten genug Potential. Und es ist zu kurz viel zu kurz!

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass Felix Lobrecht mit "Sonne und Beton" ein wirklich beeindruckendes, eindringliches und authentisches Debüt gelungen ist. Eines, in dem sich bestimmt viele Jugendliche selbst wiederfinden können, weil es ihre Lebensrealität einfängt und unverfälscht wiedergibt.

Joa, und noch was, Felix, Digger, mach mal noch zwei Bücher. "Gropiusstadt-Trilogie oder so. 
Kein Plan, ob es geplant ist, dass da noch mehr kommt. Wahrscheinlich nicht, aber meiner Meinung nach, kann man da noch gut nachlegen. Fände ich jedenfalls bombig.

 Ullstein fünf • Gebunden,  224 Seiten  • 18€ •  ISBN: 978-3961010028  
Dieses Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar gestellt

Kommentare:

  1. Ich fänds richtig bombig mal was von dir zu lesen. Einfach nur um des Lesens Willen. Ich finde deine Wortwahl in den Rezensionen schon so abartig gut. Damn! Wenn ich nur halbwegs so gut die Rezensionen so hinhämmern könnte wie du, ich wäre aufs Perverseste beseelt.

    Aber nun zum Buch. Sonne und Beton hat mich auch interessiert. Generell hat Ullstein Fünf gerade ein sehr geiles Programm, wo ich mich am liebsten komplett durchschlurpen würde, wenn ich Zeit hätte. Ich behalte es mal dicke im Hinterkopf und freu mich drauf, falls du noch mehr aus dem Programm rezensierst. :D

    Knorkige Grüße
    Rebecca

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    1. HeyHo, Rebecca!

      Haha, vielleicht gibt es ja irgendwann tatsächlich mal ein Buch von mir oder so (bestimmt nicht), wer weiß xD Und danke für das Kompliment, kann ich aber nur zurückgeben!
      Es lohnt sich auf jeden Fall! Hätte ich um ehrlich zu sein auch nicht gedacht, aber das Buch war wirklich bombig! Mache ich, auf jeden Fall.

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